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Oberlausitz: Anschlagserie auf Tagebau-Kritiker geht weiter - Bündnis wendet sich an das LKA

Gesprengter BriefkastenIn den Morgenstunden des 27. Oktobers zündeten Unbekannte innerhalb nur einer Woche die zweite Sprengladung im Briefkasten zweier Familien in Neustadt/Spree (Oberlausitz) am Rande des Braunkohletagebaus Nochten. Diesmal wurde neben dem Briefkasten auch die Hausnummer weggesprengt und ein gelbes Kreuz - das Zeichen der Solidarität von Bergbaukritikern untereinander - abgerissen. "Wie bei der Beschädigung der Aufsteller in Rohne und der vorangegangenen Briefkastensprengung nahmen die Täter erneut den Schaden unbeteiligter Dritter in Kauf." sagt Anwohnerin und Mutter eines kleinen Kindes Ursula Eichendorff,. "Hier fahren die Autos teilweise mit über 80 km/h vorbei. Nach der Explosion lagen einzelnen Briefkastenteile weit verstreut auf der Landstraße. Das ist eine massive Gefährdung."

Im Vorfeld der mutwilligen Briefkastenzerstörung wurde bereits zweimal der Aufsteller des Bündnisses "Unsere Dörfer sind zu schade zum Verheizen" in Rohne beschädigt. Für Friederike Böttcher, Sprecherin des Bündnisses "Strukturwandel jetzt - Kein Nochten II", deutet die Häufung dieser Ereignisse auf gezielte Aktionen der Gegner von Tagebaukritikern hin: "Wir vermuten, dass die Täter einer radikalen Gruppe angehören, die eine Abbagerung der betroffenen Orte erzwingen wollen. Ich bezweifle, dass diese vollkommen unsachliche und grenzüberschreitende Art der Auseinandersetzung von der Bevölkerung gutgeheißen wird."

"Wir sehen eindeutig politisch motivierte Hintergründe bei den Anschlägen, daher setzten wir vorsorglich das zuständige Landeskriminalamt in Dresden in Kenntnis über die Vorgänge" sagte Böttcher. "Das sind keine Streiche von kleinen Kindern mehr". Das Bündnis mahnt die Attentäter wieder zur sachlichen Diskussion zurück zu kehren und die Angriffe einzustellen. Bislang traten zwar "nur" Sachschäden auf, aber es nur eine Frage der Zeit bis auch Menschen zu Schaden kommen, so Böttcher. Trotz der Anschläge werde das Bündnis sich nicht einschüchtern lassen. "Wir stehen zu unsere Meinung und lassen uns nicht durch die gezielten Angriffe unterdrücken", so die Sprecherin.

Hintergrund:

Der Neuaufschluss von Kohle ist heutzutage nicht mehr notwendig, erklärt das Bündnis "Strukturwandel jetzt - Kein Nochten II". Die schon genehmigten Tagebaue in der Lausitzer Region liefern für die dortigen Kraftwerke noch Energie bis zum Jahre 2040 und darüber hinaus. Für die dreckigste Art der Energiegewinnung sollen die Dörfer Rohne, Mulkwitz, Schleife Süd, Mühlrose und Klein-Trebendorf und insgesamt fast 1600 Menschen umgesiedelt werden. Das Aktionsbündnis setzt sich zum Ziel, den geplanten Tagebau Nochten II zu verhindern und die von der Abbaggerung gefährdeten Ortschaften zu erhalten.